Die Alpaka Geburt naht

 

Fohlenzeit – aufregende Zeit!

Im Gegensatz zu hoch gezüchteten Tieren läuft die Geburt bei Alpakas meist ohne Hilfe des Menschen problemlos ab. Aber auf Grund des schnellen Geburtsablaufs und des empfindlichen Gleichgewichtes des Fohlens durch den Geburtsweg muß bei Komplikationen sehr schnell gehandelt werden, denn oft ist dabei das Leben von Stute und oder Fohlen in Gefahr. Deswegen muss die Geburt auf jeden Fall überwacht werden.

Die Alpaka Geburt erfolgt meist gegen die Mittagszeit bei Sonnenschein. Die Fohlen werden nicht trockengeleckt von den Stuten und müssen deshalb auch in den kalten Anden bis zur Nacht hin trocken sein.

Elfeinhalb Monate muß ein Züchter warten, bis die Stute das Cria ausgetragen hat. Die Stute macht es ihm nicht leicht, den exakten Geburtstermin vorherzusagen, die Spannbreite der normalen Trächtigkeit ist relativ groß. Das eine Fohlen kann schon nach ca. 331 Tagen ausgetragen sein und geboren werden, das andere ist erst nach über 367 Tagen reif für diese Welt.  Deswegen ist es besonders wichtig, daß der Züchter weiß, wie die Geburt abläuft, damit nicht im letzten Monat noch etwas schief geht. Die Geburt markiert das Ende der Trächtigkeit und den Beginn der selbständigen Existenz des Fohlens.

Der Beginn der Geburt wird oft nicht bemerkt. Ein Anzeichen zur bevorstehenden Geburt ist z.B.das häufige Aufsuchen des Kotplatzes. Das Euter der Stute wächst in den letzten drei bis sechs Wochen der Trächtigkeit zunächst langsam. Unmittelbar ein paar Tage vor der Geburt schießt die Milch richtig ein und das Euter füllt sich zwei bis drei Tage vor dem Abfohlen mit Kolostrum (Biestmilch). Kurz vor dem Geburtstermin tropft das Kolostrum aus den Zitzen und bildet an ihren Spitzen wachsähnliche Tropfen. Die Wachstropfen erscheinen meist 48 bis sechs Stunden vor der Geburt. Nur in Ausnahmefällen treten die Wachstropfen gar nicht auf oder sogar schon mehrere Tage vor der Geburt. Das Kolostrum ist für das Fohlen absolut überlebenswichtig, weil es durch seine Immunstoffe die Abwehrkräfte des Neugeborenen stärkt.

Geburtsstadien

Die Fohlengeburt läßt sich in drei Abschnitte unterteilen:

1. Die Stute ist im Vorbereitungszustand ruhelos, sie legt sich oft hin und steht wieder auf. Zum Teil sondern sich die Stuten von der Herde ab. All diese Symptome treten etwa fünf bis eine halbe Stunde vor der Geburt auf und nehmen an Intensität zu. Während diesem Stadium kann die Stute zeitweise stehen oder beginnt sogar zu fressen. Nicht immer schließt sich diesem erstem Stadium das zweite, die eigentliche Geburt an. Das kann sich in manchen Fällen noch Stunden oder sogar Tage hinauszögern.

Die eigentliche Geburt beginnt mit dem Platzen der äußeren Eihaut und dem Abgeben einer Urin ähnlichen Flüssigkeit. Etwa fünf Minuten danach erscheint die bläulich-weiße, mit Flüssigkeit gefüllte innere Eihaut, das sogenannte Amnion, zwischen den Schamlippen der Stute. Zu diesem Zeitpunkt stehen die meisten Stuten, es gibt aber auch Stuten, die ihr Fohlen im liegen bekommen. Die Wehen bestehen aus einer Serie von drei bis vier starken Kontraktionen, die von einer kurzen Ruhephase unterbrochen werden.

Nun wird durch die intakte Eihaut der Stute die Nüstern und Vorderbeine des Fohlens sichtbar. Das Fohlen wird im Normalfall in Vorderendlage geboren: Zuerst treten beide Vorderbeine aus, dann folgt der Kopf. Beim Austritt des Kopfes muss die Fruchtblase platzen. Reißt die Fruchtblase nach dem Austritt des Kopfes nicht, pflegen wir die Fruchtblase sicherheitshalber selber zu öffnen. Die Nabelschnur reißt an einer dafür vorgesehenen Stelle, etwa fünf Zentimeter vom Bauchnabel entfernt, ebenfalls durch die Bewegungen von Mutter und Fohlen beziehungsweise durch das herabfallen, wenn die Mutter im stehen gebärt.

2. Das zweite Geburtsstadium dauert durchschnittlich 20 bis 30 Minuten mit Schwankungen zwischen zehn und 70 Minuten. Die Nachgeburt (Eihäute) trennt sich relativ schnell von der Gebärmutter. Zieht sich das zweite Geburtsstadium zu lange hin, kann für das Fohlen Sauerstoffmangel entstehen, es kann aufhören zu atmen und sterben. Deshalb muß die Stute in diesem Stadium genau beobachtet werden.

3.Nach dem Geburtsakt soll die Stute in Ruhe gelassen werden. Das dritte Stadium der Geburt, das Abgeben der Nachgeburt, vollzieht sich normalerweise sehr schnell. Ist die Nachgeburt dennoch nach vier Stunden noch nicht abgegangen muss der Tierarzt angerufen werden, der durch eine Spritze erneut Wehen hervorruft. Es sollte genau kontrolliert werden, ob die Nachgeburt vollständig abgegangen ist. Falls die Nachgeburt nicht komplett abgegangen ist besteht die Gefahr von Entzündungen.

 

Maßnahmen nach der Geburt

Euter der Stute

-Milcheinschuss des Euters kontrollieren -Wachstropfen entfernen

Bei fehlenden Milcheinschuss ist meist eine oder mehrere Injektionen durch den Tierarzt notwendig damit die Milch einschiesst

 

Kolostralmilch

Für die Aktivierung des Immunsystems ist die Versorgung mit Kolostralmilch eine absolut zwingende Notwendigkeit

 

Das Verhalten der Stute

Manche Stuten kümmern sich direkt nach der Geburt nicht gross um ihr Fohlen; sie lecken ihre Fohlen nicht da die Zunge der Alpakas nicht für das Lecken eingerichtet ist. Erstgebärende Stuten können sich beim Tränken des Fohlens ungeduldig zeigen. Deshalb ist eine Separierung in einem kleinen Gehege (mit Blick auf Herde!) angezeigt Stuten mit Erfahrung sind meistens sehr geduldig und kümmern sich gründlich um ihr Fohlen. Auffallend ist ein nahezu stetiges Summen zum Kontakthalten mit dem Fohlen.

 

Trennung der Stute/Fohlen

Eine auch nur kurzfristige Trennung von Stute und Fohlen ist unter allen Umständen zu vermeiden. Die Gefahr, dass die Stute ihr Fohlen nach einer Trennung nicht mehr annimmt ist zu hoch

 

Darmpech absetzen

Darmeinlauf zur Förderung der Pech-Ausscheidung 12 bis 18 Stunden nach der Geburt Ausschließlich körperwarmes Wasser verwenden. Der Einlauf ist eine einfach durchzuführende Vorsichtsmassnahme: Trocknet das Darmpech ein, führt dies unweigerlich zu einem Darmverschluss mit tödlichem Ausgang

 

Nabel

Desinfizieren des Cria-Nabels mit Jod oder Desinfektionsmittel

 

Trocknung des Crias

Das Fohlen mit einem Handtuch trockenrubbeln oder mit einem Haarföhn trocknen

 

Kälte-/Nässeschutz

bei kaltem feuchtem Wetter sollte ein Schutzmäntelchen übergezogen werden Unterkühlte Fohlen

Besonders bei misslichen Verhältnissen (meist im Freien) geborene Fohlen werden eine Unterkühlung nicht überleben.

 

Erstes Aufstehen  

Gesunde Alpaka Crias stehen nach etwa 30 bis 60 Minuten auf den Beinen und nach ca. 1 bis 2 Stunden sind sie in der Lage zu laufen und der Mutter zu folgen.

 

Kolostralmilch

Das Fohlen kann die im Kolostrum enthalten lebensnotwendigem Wirkstoffe genau 18 bis 24 Stunden nach der Geburt aufnehmen Es ist von grossem Vorteil, wenn die erste Versorgung mit Kolostralmilch 2 bis 4 Stunden nach der Geburt erfolgt. Üblicherweise finden Fohlen in dieser Zeit das Euter und versorgen sich selbständig Höchstens 6 Stunden nach der Geburt sollte das Fohlen erstmals selber getrunken haben

Verlassen Sie sich aber nicht auf die Schmatzgeräusche oder Wedelbewegungen des Schwanzes. Kontrollieren Sie den Mund, an dem meist kleine Milchmengen kleben. Zuverlässige Hinweise sind Schluckbewegen/-Geräusche Wenn das Fohlen ca. 6 Stunden nach der Geburt nicht in der Lage ist selber zu trinken, so muss das Fohlen mit der Flasche versorgt werden. Bei der Verabreichung einer Flasche sollte die Kolostralmilch zwingend die Körpertemperatur des Crias (37,7° bis 38,9° Celsisus) aufweisen. Bei Unterkühlung des Fohlens bitte zuerst Fohlen zur Normaltemperatur aufwärmen und erst dann Kolostralmilch verabreichen.

 

Ersatz Kolostralmilch

kann das Fohlen aus irgendwelchen Gründen nicht mit Kolostralmilch versorget werden, so sollten Sie wenn möglich Kameliden-Kolostralmilch (Alpaka oder Lama) verabreichen. Ist kein Kameliden-Kolostrum verfügbar, so kann notfalls auch Kolostralmilch von Rind, Schaf oder Ziege verabreicht werden

 

Schwächliche Fohlen

Abmelken der Stute und Verabreichung mit Flasche (evtl. mit Spritze) sehr ratsam, anschliessend Säugen überwachen. Bei Bedarf Abmelken und Verabreichung wiederholen. Versorgung am Tag der Geburt etwa jede Stunde (kleine Mengen!) Vorsicht: Es darf keine Flüssigkeit in die Luftröhre/Lunge gelangen! Dies kann zu Lungenentzündung mit tödlichem Ausgang führen. Deshalb sehr kleine Mengen langsam eingeben und darauf achten, dass das Fohlen schluckt. Hustet (röchelt) das Fohlen nach der Milcheingabe stark und anhaltend, so kontaktieren Sie sicherheitshalber den Tierarzt (eventuell drängt sich eine rasche antibiotische Behandlung zur Verhinderung einer Lungenentzündung auf)

 

Die Milchaufnahme                                     

Fohlen säugen im Rhythmus von ca.2-3 Stunden während jeweils 2 Minuten.